Das Münchner Oktoberfest ist immer eine Reise wert. Auch letzte Woche hat sich das wieder bewiesen und wir hatten sehr großen Spaß beim Feiern. Dass dieser Spaß aber eine Überraschung mit sich bringt, wurde mir aber erst am Samstag zu Mittag bewusst. Aber fangen wir doch mal beim Start der Reise an:

Los ging es also Samstagfrüh. Mit dabei war auch unsere liebe Jenny. Sie kam nämlich extra um unsere letzten Habseligkeiten hier in München in ihrem Keller zu verstauen. Das kleine Häufchen sieht man in dem Foto des Artikels ganz gut (Seht ihr übrigens den Trachtenhut dahinter? Da hätten wir also gleich wieder die Verbindung zum Oktoberfest… ;-).

Jenny war aber nicht nur unsere Logistik-Managerin sondern vieles in einem: Persönlicher Sherpa um unsere Fahrradtaschen zu schleppen (ja und es waren einige ;-), Fotografin (daher ist auch dieses erste Foto hier entstanden) und quasi psychologische Betreuung. Denn ganz in der Früh bin ich noch wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Wohnung gelaufen, als sie dann aber kam, war es mit der Nervosität vorbei.

Um 11 Uhr ging es dann aus unserer Einfahrt raus, vorbei am ersten Blumenladen, am zweiten, ja und dann auch am dritten (für alle Nichtwissenden: wir wohnten gegenüber von einem Friedhof) und somit lag der Start der Reise also schon mal hinter uns.

Ich wollte ja auch nicht voreilig sein, aber in diesen ersten hundert Metern habe ich gleich zwei wichtige Erkenntnisse getroffen:

  • Hallo Wüstenschiff! Das Fahrradfahren mit so viel Gepäck glich dem Sitzen auf einem wackeligen Kamel. Ohne Gleichgewicht ging da gar nichts – vor allem bei Losfahren. Meine Befürchtungen waren ja schon, dass ich mindestens bei der übernächsten Kreuzung den Boden küssen werde.
  • Nichts mit Rekordgeschwindigkeit. Gemächlich ging es dahin. Wegen unserer neu gewonnen Breite inkl. Satteltaschen war es für die anderen Radfahrer auch gar nicht so einfach uns zu überholen. „Nora wir sind halt wie Traktoren unter den Fahrrädern“, meine Guille. Tja dann tuckerten wir eben dahin.

Punkt 1 hat sich dann zum Glück schon recht bald nach ein paar Ampeln erledigt. Und wer die Wasserburger Landstraße in München kennt, weiß, dass es davon ja einige gibt. 😉

Alle Bakterien zu mir

Ich wunderte mich schon den ganzen Vormittag wieso mein Mund denn so trocken war. Andauernd trank ich aus meiner Flasche. Als dann in Ebersberg noch leichte Halsschmerzen dazu kamen, war mein erster Ohoh-Gedanke schon ausgesprochen. Ich zählte dann eins und eins zusammen: Oktoberfest am Mittwoch und am Samstag hmmm erste Wehwechen. Wie war das voriges Jahr nochmals gewesen? Ich war die letzten zwei Jahre nur einmal krank und auch das war 2015 nach dem Oktoberfest. Die Moral von der Geschichte: Mein Körper verträgt alle Arten von Bakterien, nur die von der Wiesn nicht.

Resümee: Tag 1 Nora krank und so ging es eigentlich auch die nächsten 3 Tage weiter. Natürlich machten wir deshalb weniger Kilometer. Am ersten Tag zwar noch 75 km bis es dann echt nicht mehr ging, am zweiten dann nur 45 km und am Montag noch 60 km.

Die Nachmittage sahen dann alle gleich aus. Rein ins Gästehaus, rein ins Bett und schlafen, schlafen, schlafen. Mit dabei das Allheilmittel meiner Kindheit: Aspirin +C. Wir hatten extra vor der Reise den Großteil in Österreich gelassen und nur vier Stück mitgenommen. Wer wird denn schon von uns krank werden? (Witz des Jahrhunderts) In Salzburg gab es dafür dann eine neue Drogenpackung für mich. 😉

Was für eine Schnapsidee!

Guille: „Tja Nora so hättest du dir den Beginn deiner Traumreise wohl nicht vorgestellt!.“ Nora: „Danke Guille für deinen scharfsinnigen Kommentar. Den hättest du dir jetzt aber sparen können.“

Aber ganz ehrlich mal. In den ersten drei Tagen hätt ich das alles am liebsten echt rückgängig gemacht. Gefühlt hab ich mich ja, als hätt mich mein eigenes Fahrrad überrollt. Husten, Schnupfen, Gliederschmerzen und das All-Inklusive-Krankheitsgefühl.

Der Regen sei mit dir!Im Regenoutfit

Noch dazu kam, dass es abgesehen von dem ersten Tag (traumhaft schöner Sonnentag, der uns noch zum Zelten motivierte) nur regnete. Ich saß also krank bei strömenden Regen eingepackt wie ein bunter Michelin-Pinguin (siehe Foto) auf dem Rad und musste zB am Sonntag die Höhen und Tiefen des Chiemgaus durchradeln. Puhhhh war das denn jetzt wirklich dem Traum meines Lebens? Lol

Wieder voll motiviert!

Heute Tag 4 geht es mir zum Glück wieder gut, von einem Schnupfen abgesehen. Daher ist auch die Motivation wieder voll da. Das Fahrradfahren mit blühender Gesundheit macht jetzt doch wieder richtig Spaß und das mit der Reise war ne tolle Entscheidung. Und sind wir mal ehrlich: Ich habe mein Krankheitspensum für die nächsten zwei Monate ja jetzt schon erfüllt. Daher sollte das ja mindestens bis Athen mehr kein Problem sein.

Mittlerweile sind wir es schon, welche die Leute aufmuntern. Die meisten glauben ja wahrscheinlich echt, wir haben eine Wette verloren. Wir ernten also eine Menge verwunderte Blicke, sei es von Passanten oder von unseren Gastgebern in den Pensionen. Sind ja auch die einzigen, die bei dem Sauwetter durch die Weltgeschichte radeln. 😉

Aber es hat alles sein Gutes: Wenn es dann wirklich mal zum Regnen aufhört (man glaubt es kaum aber am Montagnachmittag war das der Fall), dann weiß man das umso mehr zu schätzen und freut sich richtig.

Ganz klare Worte hat übrigens Frau Kaindl aus Kuchl, eine unserer letzten und echt superlieben Gastgeberinnen gefunden: „Bei schönem Wetter und Sonnenschein kann ja jeder radeln!“ 😉 Sie hat es also auf jeden Fall verstanden. Wir zwar noch nicht ganz und schauen abends, wenn wir Internet haben, ganz verstohlen auf den Wetterbericht von Kroatien (Zagreb 14 Grad), aber vielleicht kommt die Erkenntnis ja doch noch bevor wir die österreichische Grenze wieder übertreten.

Schöne Grüße aus Filzmoos!