Zwei Wochen sind nun also schon vergangen. Zwei Wochen, in denen statt Fahrradfahren und im Zelt schlafen Rucksack schleppen und Hostels am Plan standen. Anfangs war das ein ungewohntes Gefühl. Statt unbekannte Orte mit dem Fahrrad zu erkunden, sind wir jetzt auf dem touristischen Highway gelandet. Nur wo ein Bus, Zug oder Taxi hinfährt, kommen auch wir hin. Zum Nachdenken blieb dann aber nicht viel Zeit: Hongkong mit seinen scheinbar unendlichen Wolkenkratzern und die Philippinen mit einer Küche, der etwas anderen Art, hatten Besseres mit uns vor.
Ganz ohne Nervenkitzel darf aber kein Beginn sein. In unserem Fall zitterten wir, ob wir überhaupt nach Asien fliegen konnten. Unser Flug in Moskau war wegen starken Schneetreibens nämlich verspätet, wodurch wir den Anschlussflug verpasst hätten. Zum Glück gab es aber eine Alternativlösung: eine, die uns quer durch Europa nach Paris fliegen ließ, um dann nach sechs Stunden Wartezeit elf Stunden im finalen Flieger zu sitzen.
Dementsprechend verschlafen, kamen wir dann in Hongkong an und die Verwunderung bzw. das Staunen über die Stadt umso größer. Im Prinzip kann man sich eine Fusion von einer europäischen und chinesischen Stadt vorstellen: extrem sauber, Shoppingzentren und Banken soweit das Auge reicht, aber trotzdem mit chinesischer Küche und natürlich mit dem Großteil asiatischer Bewohner. Ich war zuvor noch nie in einer Stadt mit vielen Wolkenkratzern gewesen und in Hongkong scheint es nur solche zu geben. Atemberaubend vor allem die Skyline bei Nacht. Speziell jetzt im Dezember gab es noch eine Lichtershow am Hafen, spätestens dann war ich Feuer und Flamme für Hongkong. Zuvor hatte ich immer erwähnt, dass diese chinesischen Großstädte und sowieso alle Metropolen mit Hochhäusern nicht so mein Ding sind, aber jetzt habe ich doch meine Meinung geändert: Es steckt also doch auch ein Wolkenkratzertyp in mir.
Übrigens startet jetzt wieder eine neue Herausforderung für mich: Den Leuten auf der Welt klar zu machen, dass „Austria“ kein Teil von „Australia“ ist. Gleich am zweiten Tag hab ich mich bei einem Japaner im Hostel bereits so richtig ins Zeug gelegt. Er konnte schlecht Englisch, also habe ich ihm inklusive Pantomime neben geografischer Lage von Bergen, Schnee und Mozart erklärt. Er schien verstanden zu haben, da er anscheinend klassische Musik gern mochte. „Perfekt“, dachte ich mir „wieder einer mehr, der Österreich kennt.“ Tja, zu Früh gefreut. Beim Abschied meinte er dann noch: „Oh my friends, Guille from Spain and Nora from Australia, good luck.“ Mission GESCHEITERT
Ine, Ane, U und Kuala Lumpur dran bist du
Zweiter Flughafen, zweiter Nervenkitzel. Nach drei Tage Hongkong ging es weiter nach Manila, auf die Philippinen. Was jetzt dann kam, dafür konnte kein Schneetreiben und auch keine Aeroflot was dafür. Die Schuldigen waren wir und eine etwas mangelhafte Recherche zu den Einreisebedingungen in die Philippinen. Am Check-In-Schalter wurde uns nämlich von einem sehr freundlichen Herrn erklärt, dass wir ein Ticket brauchen, das beweist, dass wir die Philippinen auch wieder verlassen würden. Zum Glück gab es gratis WLAN am Flughafen und in gefühlten zehn Minuten stand das nächste Ziel fest: am 28. Dezember geht es nach Kuala Lumpur.

Nach dieser erneuten Action hatten wir bei der Ankunft in Manila dafür den besten Service, den man sich vorstellen kann: Der Bruder einer Freundin (der lieben Jenny ;-), der in Manila mit seiner Frau lebt, holte uns vom Flughafen ab und zeigte uns in den nächsten zwei Tagen die ganze Bandbreite der Stadt: Von tollen Restaurants bis hin zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Und wir bekamen den verrücktesten Verkehr überhaupt zu sehen. Geht man in Manila nämlich zur falschen Zeit aus dem Haus, kann man schon einmal zwei bis drei Stunden im Stau stehen!!! Auch uns ist das einmal wegen einer Weihnachtsparade passiert: Die Straßen waren gesperrt und es gab kein Weiterkommen. Das Resultat des ganzen Chaos: Wir fanden zufällig einen Vergnügungspark, fuhren mit dem wackeligsten Riesenrad unseres Lebens (bei Überhitzung des Motors, kam ein Kübel kaltes Wasser zum Einsatz) und hatten ganz im philippinischen Style Dinner in einem Fast-Food-Restaurant.
Die Philippiner lieben nämlich Fast-Food. Alles ist entweder deep fried, überzuckert oder beides. Während wir in Manila noch dank Nick und Risa in hervorragende Restaurants gingen, war unser kulinarisches Glück danach ausgeschöpft. Auf dem Weg mit dem Bus in den Norden probierten wir bei Raststationen diverse Brötchen und Süßigkeiten. Wer mich kennt, weiß, dass ich so gut wie alles esse. Aber hier war dann für meine Geschmacksnerven Endstation.
Die folgende Nacht konnten wir bei einem Philippiner, einem Kontakt über Couchsurfing, übernachten. Ein sehr spezieller Typ, der aber wahnsinnig nett war. Er kochte für uns sowohl Abendessen als auch ein richtig gehaltvolles Frühstück. Aber oh Mann, so viel Fett und Zucker wie da drinnen war… Unter anderem sah ich am Abend beim Kochen das riesige Stück Butter, das in der Sauce für das Hühnchen verschwand. Interessant auch die Nachspeise: Ein Parfait, das so süß war, dass eine Magenverklebung bevorstand, dazu gab es als Dekoration dann aber kleine Salzbrezeln. ;-/ Strange Geschichte. Ah oder den Muffin, den wir auf der Straße kauften, der als Dekoration Hühnchenstücke hatte. ;-/ In den Restaurants erging es uns nicht besser: Alles war megasüß oder in Öl triefend. Hmm kurze Zeit waren wir froh, dass es am 28. Dezember schon wieder weiterging.
Aber Entwarnung: Mittlerweile haben wir den Dreh raus. Straßenessen oder ganz billige Restaurants sind hier auf den Philippinen nicht so unser Ding. Und selbst in den mittelpreisigen Restaurants sind wir jetzt nervige Gäste: „Please without sweet cream/caramel/sugar etc.“ Und das funktioniert dann auch wirklich. Hier in den Bergen, wo wir nun schon den dritten Tag sind, schmeckt das Essen wesentlich besser: Statt alle möglichen Geschmacksrichtungen wie wild zu mischen, schmeckt hier Hühnchen wirklich nach Hühnchen. 😉
Schlammschlacht oder die schönste Wandertour aller Zeiten
Mit den Bergen meine ich vor allem gebirgige Landschaft mit endlosen Reisterrassen. Dort ging es auf zu einer zweitätigen Wandertour. Da wir natürlich wie gewohnt stur waren, entschieden wir uns gegen einen Guide und das Ganze auf eigene Faust zu machen. Verirrt hätten wir uns dann doch fast einmal. Aber nur fast. Wir fanden zwischen Dauerregen (in dieser Jahreszeit hier im Norden anscheinend normal) und dem matschigsten Wanderweg aller Zeiten das Ziel. Zwei Mal wollte mein Hintern es auch wissen und ich bin vollends im Schlamm gelandet. Dreckig von oben bis unten. Die Aussicht und der Weg waren dafür atemberaubend: Zunächst ging es einige Stunden lang durch den Dschungel bis wir dann am Ende direkt an Reisterrassen entlang gingen. Wahnsinn! (Bilder anbei).
Alles Schöne hat aber anscheinend auch seinen Preis. Einer meiner Stürze hat meinem neuen eBook das Leseleben genommen. Doof. Aber gut, in Anbetracht der Gegenleistung dieser traumhaft schönen Wanderung und diverser Höhenangstbewältigungsaufgaben (Oh mein Gott wir passierten die schlimmste Brücke der Welt) ein fairer Preis. @Mama: Du fragtest mich mal, was ich mir im Jänner zum Geburtstag wünsche? *Big Smile*
Liebe Grüße aus den philippinischen Bergen



















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